Atrocity: Werk 80

ATROCITY: Werk 80

Atrocity gründeten sich 1985 in Ludwigsburg als reine Death-Metal-Kapelle. Bald jedoch wurde der Band ihr musikalisches Korsett zu eng und Atrocity fingen an, mit genrefremden Stilmitteln zu experimentieren. So sind auf dem Album „Blut“ 1994 erstmals progressive Einflüsse wahrzunehmen. Für das Album „Die Liebe“ arbeiteten Atrocity sogar mit den Düsterheimern von Das Ich zusammen und gingen mit dieser Formation sogar auf Tournee. Für das Album „Werk 80“ nahmen sich Atrocity 1997 elf Songs aus den 80er Jahren an, um sie in ein neues, zeitgemäßes Gewand zu kleiden.
So eröffnen Atrocity ihr Album mit einer coolen Version des alten Tears for Fears-Songs „Shout“, um dann mit einer sehr gitarrenlastigen Einspielung des alten Frankie goes to Hollywood-Krachers „Rage Hard“ nachzulegen. „Wild Boys“, im Original gesungen von Duran Duran behält zwar seinen tanzbaren Charakter, wird aber sonst, besonders durch Alexander Krulls Gesang beim Refrain, total umarangiert. Mit dem im Original etwas an Depeche Mode erinnernden „The great Commandment“ legen Atrocity dann das stärkste Stück von „Werk 80“ vor. Die Gitarren braten, das Schlagzeug bollert bedrohlich und die Streicher geben dem ganzen noch einen leicht mysteriösen Anstrich. Hier übertreffen Atrocity sogar die Urfassung von Camouflage.
„Send me an Angel“ können Atrocity dann keine großen Neuerungen hinzufügen und der Song klingt wie Real Life mit Gitarren. Dafür bekommt der alte Soft Cell-Knaller „Tainted Love“ eine wahre Frischzellenkur verpasst. Die verzerrte Stimme von Alexander Krull passt ganz hervorragend zu dem im Original doch sehr sterilen Song. „Der Mussolini“ von DAF ist wohl ein Song, der in so einem Zusammenhang irgendwie nicht fehlen darf. Atrocitys Version kann dem Lied aber nur ansatzweise neue Seiten abgewinnen. Auch „Being Boiled“ hält sich stark an die Orginalversion von The Human League, lediglich eine Bratgitarre sorgt für etwas Modernität.
Atrocitys Version von „Don’t go“ dagegen klingt schon fast punkig. So hatte sich Yazoo-Kopf Vince Clark seinen Hit sicherlich nicht vorgestellt. Aus David Bowies „Let’s Dance“ zimmern Atrocity einen Song, der zäh wie Lava daherkommt und alles plattwalzt, was sich in den Weg stellt, ehe das Album mit einer relativ poppigen Version von „Maid of Orleans“, im Original von OMD, dann doch recht entspannt endet.
„Werk 80“ ist ein Album, das Spaß macht und zumindest bei den in den 80er Jahren Aufgewachsenen Erinnerungen an Klassenreisen und Stufenfeste wachrufen müsste. Als Gast ist auf „Werk 80“ übrigens Liv Kristine Espenaes von Theatre of Tragedy zu hören.

Atrocity:
 
Alexander Krull: Gesang
Mathias Röderer: Gitarren
Thorsten Bauer: Gitarren
Chris Lukhaup: Bass
Michael Schwarz: Schlagzeug

Label: Massacre Records
Katalog-Nummer: MAS CD0138

Geschrieben im Mai 2004

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