Europe: Start from the Dark

EUROPE: Start from the Dark

Ja, wie klingt sie denn jetzt, die neue Europe-CD? Frisch und ungestüm wie „Wings of Tomorrow“? Locker, flockig wie „The final Countdown“? Oder eher kommerziell wie „Prisoners in Paradise“? Gott sei Dank weder - noch, denn Europe wären nicht Europe, wenn sie 2004 noch genau so klingen würden wie weiland in den seligen 80ern.
Europe haben mit „Start from the Dark“ ein Album vorgelegt, das nur noch sehr wenig mit der eigenen Vergangenheit zu tun hat. Die Schweden versuchen gar nicht erst auf der Retro-Welle mit zu schwimmen, sondern richten ihren Blick stets nach vorne. Zuckersüße Melodien oder hymnenhafte Keyboards der Marke „Rock the Night“ oder „Cherokee“ hat die Band komplett über Bord geworfen und sich stattdessen einen schon fast düsteren Sound verpasst.
So beginnt das neue Europe-Album „Start from the Dark“ mit „Got to have Faith“ auch gleich mit einem Groovemonster, das den geneigten Hörer eher an eine Band wie Soundgarden denken lässt, als an die schwedischen Hitparadenkönige um den ehemaligen Frauenschwarm Joey Tempest. Songs wie den basslastigen Melodic-Rocker „Flames“ oder das für Europe-Verhältnisse knüppelharte „Wake up call“ hätte man von den fünf Schweden sicherlich so nicht erwartet. „Reason“ oder das tonnenschwere Riff in „Sucker“ erinnern gar hier und da an John Norums ehemaligen Brötchengeber Don Dokken.
Aber keine Angst: Mit dem Titelsong „Start from the Dark“, dem Phil Lynott gewidmeten „Hero“ oder dem wunderbaren „Spirit of the Underdog“ haben Europe eine ganze Reihe potenzieller Hits am Start. Die Akustikballade „Settle for Love“ hätte auch auf einem Joey-Tempest-Soloalbum wie „A Place to call Home“ eine gute Figur gemacht.
Keine Frage, Europe haben sich mit „Start from the Dark“ eindrucksvoll zurück gemeldet. Hier musiziert eine gereifte Band, die sich keinen Deut um musikalische Konventionen schert, sondern unbeirrt ihren Weg geht. Das ist mutig und das ist gut. Die zwölf Songs brauchen einige Durchläufe, bis sie ihr sperriges Gewand ablegen und sich voll und ganz entfalten. „Start from the Dark“ wird all denen gefallen, die an Europe schon immer ihre Vielseitigkeit schätzten.
Wer allerdings ein zweites „The final Countdown“ erwartet, wird enttäuscht werden.

Europe:
 
Joey Tempest: Gesang
John Norum: Gitarren
Mic Michaeli: Keyboards
John Leven: Bass
Ian Haugland: Schlagzeug

Label: T&T
Katalog-Nummer: TT00642

Geschrieben im September 2004

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