Frank Zander: Rabenschwarz

Frank Zander: Rabenschwarz

Ja, Herrschaftszeiten! Das lag doch nun wirklich auf der Hand! Aber oft ist es ja so, dass man an das naheliegendste zuletzt denkt. Warum ist eigentlich noch niemand auf die Idee gekommen, die Szene, die sich um den Begriff 'Neue Deutsche Härte' schart, mal gehörig durch den Kakao zu ziehen? Was liegt näher, als den Schwulst und den Pathos von Kapellen wie Rammstein oder den Habitus von Joachim Witt mal gnadenlos zu parodieren? Zumal es sich hier um Menschen handelt, die zum Lachen in den Keller gehen und sich selbst unheimlich wichtig nehmen.
2004 nun hat Frank Zander mit „Rabenschwarz“ ein Album aufgenommen, das all den Möchtegern-Hartwürsten unserer Republik schonungslos den Spiegel vors Gesicht hält. Frank Zander bedient sich hier ungeniert im Fundus der Schlagerkollegen und mischt die Gassenhauer von Gunter Gabriel, Peter Maffay oder Udo Jürgens mit messerscharfen Riffs und heruntergestimmten Gitarren. Und das klappt ganz hervorragend, sind doch die Texte eines Christian Anders oder Mathias Reim nicht weit entfernt von den lyrischen Ergüssen eines Till Lindemann oder Joachim Witt.
Besonders bei der Interpretation von „Dich zu lieben“ und „Manchmal möchte ich schon mit Dir“ wird augenfällig, wie nah die aktuellen Protagonisten den deutschen Schlagerbarden stehen. Man könnte fast meinen, Rammstein und Konsorten hatten den gleichen Texter wie Roland Kaiser.
Leider hat Frank Zander sein Konzept auf „Rabenschwarz“ nicht in letzter Konsequenz durchgezogen. Fünf der zwölf Titel auf dem Album sind Eigenkompositionen. Warum Frank Zander vier seiner Titel an das Ende des Albums gestellt hat, wird wohl sein Geheimnis bleiben. Für viele Hörer wird „Rabenschwarz“ damit sicher nach dem achten Song enden. Schade, denn so verpassen sie Brecher wie „Ich trink von Dir“ oder „Guillotine“, die sich nahtlos ins Konzept der Scheibe einfügen.
Auf das naheliegendste ist Herr Zander aber dann doch nicht gekommen. Warum hat er nicht einen seiner eigenen großen Hits gecovert und verarbeitet? Eine Version von „Hier kommt Kurt“, „Captain Starlight“ oder „Ich trinke auf dein Wohl Marie“ im Rammstein-Sound hätte dem Album Rabenschwarz noch die Krone aufgesetzt!

Label: Zett-Records
Katalog-Nummer: 76 6100-2

Geschrieben im Januar 2005

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