James Last: They call me Hansi

James Last: They call me Hansi

Herzlichen Glückwunsch, Hansi! Der Bremer Bandleader und Orchestrchef James Last wird 2004 75 Jahre alt. Zu diesem 'runden' Geburtstag hat es sich der alte Charmeur und Tanzbodenkönig nicht nehmen lassen, ein wirklich cooles Album vorzulegen.
Nachdem James Last in den 70er Jahren dafür bekannt war, in weißem Anzug sein Tanzorchester zu dirigieren und mit Schallplatten wie „Trumpet à gogo“ oder „Ännchen von Tharau bittet zum Tanz“ unsere Elterngeneration in den Wahnsinn zu treiben, beginnt langsam, aber sicher, auch die jüngere Generation, sich für den Mann aus Bremen-Sebaldsbrück zu begeistern. Fettes Brot aus Hamburg schreckten schon in den 90er Jahren vor einer Zusammenarbeit mit Hansi nicht zurück, doch spätestens, seit Quentin Tarantino das Stück „The lonely Shepherd“ in seinen Film 'Kill Bill, Vol.I' einbaute, ist der König der Easy Listening Music auch bei den jüngeren Zuhörern auf dem Weg zum Kultstar.
James Last, der übrigends auf dem von Anton Corbijn inzenierten Foto auf dem Cover seines neuen Albums ein wenig an die verblichene Countrylegende Johnny Cash erinnert, hat es sich auf „They call me Hansi“ nicht nehmen lassen, ein Album mit Musikern einzuspielen, die auf den ersten Blick so gar nicht zu ihm passen wollen. Und so klingt es schon etwas gewöhnungsbedürftig, wenn Wu-Tang Clan-Rapper RZA seine Sprechgesang über den „Einsamen Hirten“ legt.
Hat man jedoch seine Ressentiments gegenüber des ungewöhnlichen Crossovers abgelegt, merkt man wie gut der orchestrale Big-Band-Sound mit der Musik der jungen Garde harmoniert und auf einmal klingen Jan Delays „Halt es fest“ oder Xavier Naidoos „Everything reminds me of you“ in diesem Zusammenhang so selbsverständlich, als hätten die Protagonisten schon immer zusammen musiziert. Aber auch Nina Hagen oder Herbert Grönemeyer, der zu den Aufnahmen zu „They call me Hansi“ auch gleich noch seinen Produzenten Alex Silva mitbrachte, wissen zu überzeugen.
Und das Könner wie Tom Jones oder Luciano Pavarotti ihre Sache gut machen, steht sowieso außer Frage. Lediglich der Trompeter Till Brönner kann in seinem Stück „Windmill of your Mind“ dem James-Last-Sound kaum neue Impulse hinzufügen und geht folglich im Sammelsurium der illusteren Gäste etwas unter.
Zum Abschluss des Albums gibt es mit „Fools“ noch ein Stück zu hören, das James Last für Elvis Presley geschrieben hat. Mit „They call me Hansi“ ist James Last ein Album fern aller Konventionen gelungen. Daumen hoch für das wohl beste, zumindest aber mutigste Album in seiner langen Karriere!

Label: Polydor / Universal
Katalog-Nummer: 06024 9868343

Geschrieben im Oktober 2004

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