Mick Jagger: Wandering Spirit

Mick Jagger: Wandering Spirit

Soloalben von Musikern bekannter Bands sind oft eine zwiespältige Angelegenheit. Entfernt sich der Künstler zu weit von seiner musikalischen Heimat, folgen ihm seine alten Fans nicht mehr. Klingt das Album allerdings zu sehr nach der bekannten Stammband, hätte er auch gleich ein Bandalbum aufnehmen können. Nun sind natürlich die Rolling Stones und ihr Sänger Mick Jagger über jeden Zweifel erhaben, trotzdem muss ein Jagger-Solowerk auch eindeutig als ein solches zu erkennen sein. Und das ist „Wandering Spirit“, Mick Jaggers Soloalbum aus dem Jahr 1993.
Mick Jagger hat sich den Topproduzenten Rick Rubin mit ins Boot geholt und unter dessen Regie ein erdiges, grooviges Album eingespielt. So beginnt das Album dann auch gleich mit einem famosen Rocker namens „Wired all Night“, welches den alten Haudegen Jagger in Höchstform zeigt. Und auch die Singleauskopplung „Sweet Thing“ mit seinen modernen Beats und Grooves beweist, dass der Kopf der Rolling Stones nicht in der Vergangenheit stecken geblieben ist, sondern sein Herz auch für zeitgemäße Musik schlägt. „Out of Focus“ geht sofort ins Ohr und präsentiert mit Flea von den Red Hot Chili Peppers ein bekanntes Gesicht am Bass.
Und weiter geht die Reise durch das musikalische Universum des Mick Jagger. „Don’t tear me up“ ist eine unpeinliche Ballade, die auch auf einem Rolling Stones-Album eine gute Figur gemacht hätte, „Put me in the Trash“ rockt und rollt, dass es eine wahre Freude ist und für das packende „Use me“ konnte der Oberstone sogar Lenny Kravitz zu einem Duett überreden. Es folgt mit „Evening gown“ eine schöne Bluesballade, bei „Mother of a Man“ wird dann aber schon wieder amtlich gerockt.
Das modern produzierte „Think“ kann dieses Niveau problemlos halten, ehe sich mit dem Titelstück wieder ein Bluesrocker reinsten Wassers anschließt. „Hang on to me tonight“ und „I’ve been lonely for so long“, wiederum mit Flea, können die Klasse nicht ganz halten, ehe das Album mit dem eindringlichen „Angel in my Heart“ und dem Folksong „Handsome Molly“ versöhnlich ausklingt.
Mick Jagger hat mit „Wandering Spirit“ das beste Werk seiner Solokarriere vorgelegt. Das Album klingt zu keinem Zeitpunkt altbacken, sondern zeigt einen gereiften Künstler, der zwar seine Wurzeln in den 60er Jahren hat, aber bis zum heutigen Tage ein gewichtiges Wort in der Musikwelt mitreden kann.

Label: Atlantic
Katalog-Nummer: 7567-82436-2

Geschrieben im September 2004

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