Sigue Sigue Sputnik: Flaunt It

SIGUE SIGUE SPUTNIK: Flaunt It

Sigue Sigue Sputnik schlugen 1986 mit ihrem Album „Flaunt It“ wie eine Bombe in der Musikszene ein. Sigue Sigue Sputnik waren wild, laut und bunt und ähnelten äußerlich eher einer Mischung aus Punk- und Glamrock als einer der angesagten Combos jener Zeit, denen eine frisch gescheitelte Frisur oder eine gut sitzende Bügelfalte mindestens genauso wichtig war, wie ein guter Song oder eine gute Performance.
Sigue Sigue Sputnik dagegen setzten auf ihrem Weg an die Spitze auf Übertreibung, Großkotzigkeit und einen Schuss Punk-Attitüde. Und das reichte in einem Jahrzehnt, in dem Den Harrow und Thomas Anders die modischen Vorreiter waren vollkommen aus, damit konservative Sittenwächter den Untergang des christlichen Abendlandes prophezeiten. Es gab Anfänge des aus heutiger Sicht typischen Merchandising-Overkills und auch für die Verpackung der Schallplatte „Flaunt It“ hatte man sich etwas besonderes einfallen lassen: Obwohl nur eine Platte in der Hülle lag, war die Kartonage so dick, als wollte man darin eine Werkschau von Herbert von Karajan verpacken.
Musikalisch bietet „Flaunt It“ eine Mischung aus Rock, Punk und Techno, meist unterlegt mit der spacigen Gitarre von Tony James. Und natürlich warf das Album auch zwei veritable Singlehits ab: Den Chartstürmer „Love Missile F 1-11“ und das kaum weniger erfolgreiche „21st Century Boy“, mit denen Sigue Sigue Sputnik seinerzeit auch zur besten Sendezeit im deutschen Fernsehen auftrat. Der Rest des Albums steht den Singleauskopplungen in nichts nach; Stücke wie „Atari Baby“ oder das völlig abgedrehte „Rockit Miss U.S.A.“ hätten wahrscheinlich die gleiche Wirkung auf das Publikum der 80er Jahre gehabt.
Dass Sigue Sigue Sputnik aber beileibe nicht die verrückten Kreativpunks waren, für die man die Band seinerzeit verkaufte, macht schon ein Blick auf das Cover des Tonträgers deutlich. Denn: Produziert wurde „Flaunt It“ von niemandem geringeren als Giorgio Moroder und der stand nie für musikalische Revolution sondern eher für diskothekentaugliche Tanzmusik und schwülstige Olympiahymnen wie „Reach Out“, das der umtriebige Produzent für die Olympischen Spiele 1984 in Los Angeles zusammenzimmerte. So waren sowohl Sigue Sigue Sputnik als auch „Flaunt It“ musikalische Eintagsfliegen und es dauerte fast fünfzehn Jahre bis sich Sigue Sigue Sputnik im Zuge des 80er-Revivals wieder gemeinsam auf die Bühne trauten, wenn auch nur mit mäßigem Erfolg.
Tony James war nach Sigue Sigue Sputnik noch bei den Sisters of Mercy aktiv, Neal X trat noch einmal auf einer Marc-Almond-Album in Erscheinung. Live ist die Band noch immer sehenswert, musikalisch konnte sie aber leider nie wieder an die Großtaten aus den 80er Jahren anknüpfen.

Sigue Sigue Sputnik:
 
Martin Degville: Gesang
Tony James: Gitarre
Neal X: Gitarre
Ray Mayhew: Schlagzeug
Chris Kavanagh: Schlagzeug
Yana Ya Ya: Effekte

Label: EMI Records Ltd.
Katalog-Nummer: CDP 7463422

Geschrieben im August 2004

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