Tim: Modern Guy

Tim: Modern Guy

Einem großen Publikum wurde Olli Dittrich durch sein kommödiantisches Talent in der 'RTL-Samstag-Nacht-Show' bekannt. Zusammen mit seinen Mitstreitern Wigald Boning Mirco Nontschew und Esther Schweins etablierte er Anfang der 90er Jahre ein völlig neues Showformat im deutschen Fernsehen und ist dadurch mitverantwortlich für den Comedyboom, der Deutschland seitdem in immer wieder neuen Varianten heimsucht. Und auch in den deutschen Verkaufshitparaden fand Olli Dittrich statt: An der Seite seines Kameraden Boning blödelte er sich als Die Doofen mit Stücken wie „Mief“ oder geistreichem wie „Bänderdehnung in der Unterhose“ oder „Es geht ein Pollunder auf reisen“ in die Herzen seiner Anhänger.
Das Dittrich allerdings mehr kann, als den dummen August zu geben, bewies er bereits 1989 mit seinen hervorragenden Album „Modern Guy“. Damals nannte er sich noch Tim, und seine Attitüde und sein Auftreten hatten mit dem des heutigen Olli Dittrich nichts gemein. Das Albumcover zeigt Tim, respektive Dittrich, als coolen Halbstarken mit Motorroller und lässiger Zigarette im Mundwinkel, der Hintergrund vermittelt triste Stimmung wie in einer Arbeitergegend im Ruhrgebiet der 50er Jahre.
„Modern Guy“ enthält zehn wunderschöne Popsongs, alle von Olli Dittrich völlig ohne Pathos und Getue vorgetragen. Musikalisch erinnert das Ganze stellenweise an dezenten Britpop wie bei dem fröhlichen „Hey Seorita“, stellenweise wie bei „No!No!“ glaubt man fast, keltische Einflüsse zu vernehmen. Und das Herr Dittrich die ein oder andere Beatles-Platte und das ein oder andere Jethro Tull-Album in seinem Plattenschrank stehen hat, ist auch nicht zu überhören.
So klingt „The Child“ erstaunlich nach den Fab Four, „I won’t be there“ kann seine britischen Einflüsse nicht verleugnen und „Reaping the Harvest of Love“ swingt völlig selbstverständlich ohne auf ein wie auch immer geartetes Revival abzuzielen. Olli Dittrichs schöne, ruhige und angenehm warme Stimme trägt das Ihrige zum Gelingen von „Modern Guy“ bei, klingt sie doch gelegentlich sogar etwas nach dem Großen Ian Anderson!
Keine Ahnung, ob Olli Dittrich die Tim-Platte „Modern Guy“ heute als Referenz oder als Jugendsünde ansieht. Mir jedenfalls gefällt das Album ganz ausgezeichnet und es wäre schön, wenn Olli Dittrich neben seiner Arbeit auf der Bühne und im Fernsehen mal wieder Zeit und Muße hätte, etwas vergleichbares auf die Beine zu stellen.

Label: Chrysalis
Katalog-Nummer: 210 051

Geschrieben im Oktober 2004

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